Kreisgruppe Mönchengladbach

Keine vorrangige Aufgabe

Einen Schildbürgerstreich der besonderen Art kann die Abteilung Straßenmanagement der Stadt für sich verbuchen.

Leise und unbürokratisch entstand in Wickrath an der Niers eine Asphaltpiste, die schlaglochgeplagte Straßennutzer andernorts vor Neid erblassen ließe. Hier handelt es sich aber um keine Anwohner- oder Duchgangsstraße, sondern ausgerechnet um ein Naturschutzgebiet, wo derartige wasserundurchlässige Rennstrecken eigentlich verboten sind. Empörte Spaziergänger und Naturliebhaber schlugen Alarm.

Auffallend schnell meldeten sich dann Lokalpolitiker zu Wort, die zu berichten wussten, die Wickrather seien froh und glücklich über diesen Weg und wenn er nun mal da sei, dann wolle man ihn auch behalten.

Woher man so schnell wusste, was die Wickrather so wollen und denken, bleibt ein Geheimnis, das auch die örtliche Presse nicht lüften konnte, die anschließend ins gleiche Horn tönte.


Download     Die örtliche Presse berichtet

Die Frage ist, wie und auf wessen Geheiß oder Empfehlung oder Fürbitte die Asphaltdecke eigentlich zustande kam, denn so mal eben aus Versehen asphaltiert man keinen Weg, auch wenn die Herstellungskosten eher gringfügig waren und nicht vom Vergabeausschuss des Rates genehmigt werden mussten.

Schade eigentlich, denn in Rat hätte vielleicht der eine oder andere Politiker, der sich auskennt, nach dem Sinn des nunmehr Lkw-tauchlichen Weges im Naturschutzgebiet Niersbruch gefragt.



Vorbildlicher Wegebau im Naturschutzgebiet - keine Buckelpiste!


Die schlechte Wegequalität im Naturschutzgebiet kann es nicht gewesen sein, so viel ist sicher. Es gibt wohl kaum eine weitere Ecke in Mönchengladbach, wo die Qualität der Kieswege ("wassergebundene Decke") derart vorbildlich ist wie hier, geradezu Rollstuhl-Qualität.

Der einzige "Anwohner", den der Weg tangiert, ist ein Fischzuchtbetrieb, der hier eigentlich gar nicht hin gehört. Vielleicht liegt hier die Lösung des Mysteriums.



Fischzuchtbetrieb, der hier seit Jahren unbeachtet expandiert.


So vermutet der BUND, dass die neue Asphaltdecke, auf die Schlaglochpisten im Stadtgebiet vergeblich warten, eher etwas mit „Wirtschaftsförderung“ zu tun hat.

Wer sich vor Ort einmal umsieht, erkennt schnell, was gemeint ist. Hier darf der Steuerzahlerbund gerne einmal nachfragen, auf wessen Geheiß der Fachbereich Straßenmanagement hier tätig wurde.

Ein Schelm, wer sich nichts Böses dabei denkt


Die Untere Landschaftsbehörde jedenfalls denkt, dass der Weg wieder weg muss. Die Amtsleiterin, Frau Kerkes-Grade, teilte mit, dass im Verwaltungsvorstand über den ohne Beteiligung der ULB angelegten Asphaltweg gesprochen wurde. Es bestand dort Einvernehmen darüber, den Weg im Naturschutzgebiet in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Der für den Rückbau zuständige Fachbereich werde die Kosten für diese Maßnahme im Haushalt 2006 einstellen, sodass die Umsetzung 2006 erfolgen könne.

Komentar der Straßenunterhaltungsbehörde: Der Rückbau sei für sie "keine vorrangige Aufgabe". Man habe im Moment Wichtigeres zu tun.

Sieh an! Wir sind jedenfalls sehr gespannt, was im nächsten Jahr (2006) passiert.


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