Kreisgruppe Mönchengladbach

Vieles läuft schief in MG!


Siedlungsentwicklung in Mönchengladbach
So kann es nicht ewig weiter gehen!



Bauleitplanung als Schwerpunkt


Mit Stadtplanung, Bauleitplanung, Eingriffen in Natur und Landschaft sowie deren Ausgleich wollen wir uns im Jahr 2004 schwerpunktmäßig befassen. Dieses Projekt gehen wir gemeinsam mit dem Naturschutzbund (NABU) an, denn hier gibt es in Mönchengladbach einiges zu tun.

Wir haben dazu eine Anfrage an die Oberbürgermeisterin verfasst, um uns über die aktuelle Situation in Mönchengladbach zu informieren. Wir werden weiter berichten. (Presse)

Zunächst einige Anmerkungen hierzu von Holger Hurtmann, veröffentlicht im “Steinbrecher”, Ausgabe 2/2004:

Bauen ohne Rücksicht auf Verluste?

Unsere Städte und Dörfer wachsen, zerstören Landschaften und zer­schneiden Natur- und Freiräume. In den zurückliegenden 50 Jahren stieg der Flächenverbrauch in Deutschland weitaus stärker als die Bevölkerung oder die Zahl der Beschäftigten. Die inzwischen insgesamt stagnierende, in einigen Teilen rückläufige Bevölkerungsentwicklung scheint sich auf den Flächenverbrauch nicht auszuwirken. Flächenwachstum führt jedoch nicht zu einem Zuwachs an Lebensqualität in unseren Siedlungen. Mit neu erschlossenen Wohn- oder Gewerbegebieten werden in der Regel ausgerechnet die Probleme geschaffen, denen man eigentlich entfliehen wollte - statt sie im Siedlungsbestand zu beheben.

Sorgloser Umgang mit dem Umweltmedium Boden

Boden ist ein unersetzliches Naturgut. Er dient als Lebensgrundlage und Lebensraum für Pflanze, Tier und Mensch. Er wirkt als Wasserregulator, -filter und -speicher sowie als Grundwasserneubildner. Der Boden hat Einfluss auf die Vegetation, somit Farbe und Struktur der Landschaft und auch das Siedlungsklima. Er benötigt Jahrhunderte und Jahrtausende für sein Entstehen. Diese endliche Ressource wird nun vielerorts innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch reduziert oder auf immer zerstört.

Der Flächenverbrauch liegt in Deutschland seit Jahren bei 120 bis 130 ha pro Tag. Wohngebäude erreichen bei der Flächeninanspruchnahme den größten Anteil. Dafür weisen die Nichtwohnbauflächen, also die Flächen für Handel, Dienstleistungen, Gewerbe und Industrie, zusammen mit den gemischten Bauflächen die größten Zuwachsraten auf. Geringere Nut­zungsdichten, unverbundene Bauten sowie Mobilität über größere Dis­tanzen führen zu zusätzlichem Flächen- und Energieverbrauch.

Die Siedlungsflächenausdehnung geht vorwiegend zu Lasten landwirt­schaftlich genutzter Flächen, die gerade in Siedlungsnähe wichtige Na­herholungs- und ökologische Ausgleichsfunktionen übernehmen. Die Landwirtschaft selbst, angewiesen wie kein anderer Wirtschaftssektor auf die Ressource Boden, bestellt ihre Flächen vielerorts bereits für die letzte Fruchtfolge: die Bebauung.

Neben ökologischer auch soziale Dimension

Mit dem Siedlungsflächenwachstum schreitet auch die Entmischung der Nutzungen und gesellschaftlichen Gruppen fort. Die ökologische Dimension der verfehlten Siedlungspolitik wird damit um eine soziale erweitert. Es kommt zu einer selektiven Abwanderung der bauwilligen, mittleren und oberen Einkommensschichten in das Umland. Die Bau- und Eigen­tumsförderung lenkt die Siedlungsentwicklung in die falsche Richtung, das heißt vor allem auf die vergleichsweise teure Bebauung unbebauter Flächen und auf Leerstand und Abriss auch erhaltenswerter Gebäude. Kaum spürbare Grundsteuersätze befördern den Flächenverbrauch. Hin­zu kommt die durch überhöhte Bodenspekulation und Bauförderung ver­ursachte Verzerrung der Bodenpreise und die allein beim Eigentümer der Fläche verbleibende Grundrente.

Die beschriebene Entwicklung steht im diametralen Gegensatz zum Nachhaltigkeitsprinzip. Die Fachwelt kennt die Probleme schon lange. In der Politik wird zwar auch der hohe Flächenverbrauch beklagt, gleichzeitig jedoch werden subventionierte Grundstücke für Gewerbe oder für neue frei stehende Einfamilienhäuser jenseits der Stadt- und Dorfgrenze gefordert. Hinzu kommt der mangelnde Wille von Politik und Verwaltung, das Planungsrecht konsequent unter flächensparenden Gesichtspunkten anzuwenden. Die den Kommunen zugewiesene Planungshoheit,wird viel­fach auf Kosten von Natur und Landschaft ausgeübt.

Veränderungen sind notwendig

Mit einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung gilt es, den Verbrauch von Flächen deutlich zu reduzieren. Einige wichtige Anhaltspunkte sind:

Die Planung, Entwicklung und Erschließung zusätzlicher Bauflächen muss im Bestand erfolgen.


  • In die Boden- und Flächenpreise muss die begrenzte Verfügbarkeit und der ökologische Wert von Boden spürbar einfließen.
  • Festsetzung flächensparender Bauweise. (Freistehende) Einzel- und Doppelhäuser nur als Ausnahme, die Bildung von Hausgruppen wie z.B. Reihenhäuser sollte allgemein zulässig sein.
  • Baulücken- und Nutzflächenkataster können Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen, so dass die Nachfrage auf bereits ge­baute Immobilien gelenkt wird


Der Beitrag ist ein leicht veränderter Auszug aus dem NABU Grundsatz­papier „Bauen in Deutschland. Programm für eine nachhaltige Siedlungs­politik" aus dem Jahr 2002

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