BUND kritisiert: Zukunftsszenarien zu "MG 2030" beachten Umwelt kaum.
WZ vom 17.2.2004
Mönchengladbach. "Wohin, MG? Eine Stadt denkt ihre Zukunft. Denken sie mit" so lautet der Slogan, mit dem die Verwaltung derzeit für ihr Projekt "Mönchengladbach 2030" wirbt. Hintergrund ist ein bundesweiter Ideenwettbewerb für Kommunen ab 20 000 Einwohnern durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, an dem sich auch die Vitusstadt gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein sowie der Uni Köln erfolgreich beteiligt hat. Mitgedacht hat jetzt auch die hiesige Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutsch-
land (BUND).
"Wir wundern uns, dass in den Szenarien, die für die Entwicklung der Stadt erarbeitet wurden, die Umwelt keine erkennbare Rolle spielen", kritisiert Bund-Sprecherin Jutta Profijt. "Die Natur schützt sich auch 2030 nicht von selbst. Wir können nicht nachvollziehen, dass offensichtlich der Umweltschutz in den Szenarien ausgeklammert wurde." So sei bereits bei den Fragebögen, die im Rahmen des Projektes an 6000 Gladbacher Haushalte verschickt wurden, auf das Thema Umwelt gar nicht eingegangen worden.
Als "Blödsinn" bezeichnet Profijt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass z.B. im so genannten Solisten-Szenario von einem Freizeitpark in den Niersauen die Rede sei. "Die Bezirksregierung hat gerade das Überschwemmungsgebiet für die Niers neu festgesetzt." Demnach müssen alle Veränderungen, die den Hochwasserabfluss stören oder einschränken, genehmigt werden. Kurzum: "Neubauten sind verboten und nur in extremen Ausnahmefällen erlaubt." Gleiches gelte sogar für die Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern. "Ich frage mich, wie man in diesem Zusammenhang über einen kommerziellen Freizeitpark in den Niersauen nachdenken kann", moniert Profijt.
Stadt-Sprecher Wolfgang Speen kann den Unmut der Gladbacher Naturschützer nicht nachvollziehen: "Bei den jeweiligen Plänen handelt es sich bislang um grobe Darstellungen, in denen sich jedoch bereits Punkte wie innerstädtisches Wohnen im Grünen oder eine ökologische Landwirtschaft wiederfinden. Spätestens wenn es an die Feinarbeit geht und ein Masterplan erarbeitet wird, wird auch der Umweltschutz eine wichtige Rolle spielen."