Mönchengladbach. Entspannt räkeln sich die Badegäste zu Dutzenden in der Sonne. Wird es ihnen zu heiß, springen sie zur Abkühlung ins erfrischende Nass. Diese Szenen spielten sich am vergangenen Wochenende wieder einmal nicht im Freibad ab, sondern im "Biotop Vorster Busch" in Hardt. Während sich die Schwimmer in dem Kiesgrubengelände der Firma Kreuder an der Vorster Straße erholen, kocht Barbara Weinthal, beim Stadtfachbereich Umweltschutz/ Entsorgung auch für Landschaftsschutzgebiete zuständig, vor Wut: "Da bleibt einem die Spucke weg." Baden sei an dem lauschigen Plätzchen mit seinen drei kleinen Baggerseen in der Nähe der Anschlusstelle West der A 61 verboten, außerdem dürften die Wege nicht verlassen werden, so Weinthal.
Und: Das Baden in den Teichen sei nicht ungefährlich. Der Kiesgrund könne plötzlich nachgeben. Auch Jugendliche haben das Idyll als Treffpunkt entdeckt. Michael Götze, Polizeisprecher, bestätigte, dass Polizeibeamte vor einigen Wochen eine Gruppe von acht jungen Leuten beobachtet und überprüft haben. Einer habe "Heil Hitler" skandiert. Gegen ihn wird ermittelt. Wie ein Magnet zieht das lauschige Plätzchen besonders an den Sommerwochenenden die Sonnenhungrigen an. "Mitunter tummeln sich dort an manchen Tagen 100 bis 300 Leute", so Götze auf Anfrage der WZ. "Schätzungen von bis zu 250 Leuten an einem Sonntag halte ich nicht für übertrieben", bestätigt auch Weinthal, "und das sind nicht nur Jugendliche, sondern vor allem Erwachsene."
Bestenfalls Unverständnis und schlimmstenfalls "schnoddrige Antworten" habe Weinthal vor Ort geerntet, als sie die Schwimmer darauf aufmerksam machte, dass ihr Tun verboten, das Gelände ein Landschaftsschutzgebiet sei. "Der Naturschutzbund hat hier vor zwei Jahren 93 verschiedene Vogelarten nachgewiesen, darunter seltene und bedrohte wie Eisvogel, Nachtigall und Baumfalke", sagt Weinthal. Sie sieht diesen Rückzugsraum für Tier durch die Menschenmassen akkut bedroht. "Die Insel in einem der Baggerseen, als Brutgebiet gedacht, ist platt getrampelt", ergänzt Götze.
Wenn die Wochenendbesucher abends verschwinden, erinnert das Biotop an eine Müllhalde. Götze: "Da liegt alles rum, was bei einem Schwimmbad-Tag oder Camping so anfällt." Tatsächlich bleibt es laut Barbara Weinthal nicht beim Schwimmen: Inzwischen hat sie auch schon Camping-Zelte und Reste von Lagerfeuern im Biotop gesehen: "Ein Camper ist mit dem Wohnmobil bis ans Wasser gefahren." Uwe Dahlmanns vom Naturschutz- und Angelsportverein "Loch Ness", der einen Baggersee gepachtet hat, zuckt resigniert mit den Schultern: "In den Sommermonaten ist an Fischerei nicht zu denken." Die 30 Vereinsmitglieder seien "verschnupft".
Dahlmanns: "Die Trampelpfade der Schwimmer vom vergangenen Jahr haben wir kürzlich mit Sträuchern zugepflanzt. Zwei Tage später waren die Büsche aus dem Boden gerissen." Die Polizei bestätigt, dass Unbekannte einen Steg der Angler in Brand gesetzt haben. "Mutwillige Zerstörung", kommentiert der Vereinsvorsitzende. Ähnlich bedenkenlos gehen die Schwimmer vor, um sich Einlass zum Gelände zu verschaffen. "Der im Mai frisch errichtete Zaun ist an vielen Stellen zerstört", so Weinthal. Und Michael Götze fügt hinzu: "Zum Teil ist der Draht mit Zangen durchgeschnitten worden."
"Bei den Massen, die dort einfallen, sind die zuständigen Bezirksbeamten alleine machtlos", so Götze. Wirksam gegen die Schwimmer soll eine "konzertierte Aktion" von Stadt und Polizei sein, hofft Weinthal. Der Zaun soll mit Stacheldraht verstärkt und die Zufahrten gesperrt werden. Polizei und Verwaltungsmitarbeiter werden verstärkt Streife gehen und Bußgelder verhängen.