Kreisgruppe MönchengladbachHamster gehören zur Natur - Kopfschmerzen auchVon KATJA SCHMIDT(Rheinische Post vom 4.2.2000) Nein, zufrieden sind Konrad Multmeier und Jutta Profift nicht. Dem Umweltschutz haben sie sich verschrieben, eine ganze Liste von Themen ausgearbeitet, die sie in Mönchengladbach aufs Tapet bringen wollen. Doch die Erfahrung hat den beiden Vorständlern der hiesigen BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)-Ortsgruppe gezeigt, dass sie mitunter ein Kampf gegen Windmühlenflügel führen. Etliche der Anträge, die sie bei der Stadt eingereicht hätten, lägen noch irgendwo in der Schublade - ergebnislos. Endlich wieder frische Luft! Da kommt den Naturschützern gerade recht, dass nach dem winterlichen Trockenschwimmen und der öden Theorie nun endlich die Natur wieder zum Leben erwacht: das motiviert! Am Sonntag (ab 7.30 Uhr auf dem Parkplatz von Schloss Rheydt) beginnt mit einer vogelkundlichen Wanderung die Freiluft-Saison des BUND. Eigentlich ein untypischer Termin. Denn im Gegensatz zum prakt- isch arbeitenden NABU (Naturschutzbund) sehen Multmeier und Profijt ihre Aufgaben eher darin, über politische Gremien etwas zu erreichen und die Bürger zu informieren. Und da, so meinen die beiden, ist der Nachholbedarf groß. "Viele sind des Themas Umweltschutz offensichtlich überdrüssig. Dabei wird es jeden Tag aktueller", so Multmeier. So müsse man viel mehr auf die Ursachen von Umweltkatastrophen hinweisen und vor Ort seinen kleinen Beitrag zur Prävention leisten. In einem Punkt hat der BUND dies in den vergangenen Jahren in beeindruckender Weise geschafft: Mittlerweile nehmen mehr als 40 Schulen in Mönchengladbach an einem Energiesparprojekt (eine Devise lautet: Licht aus, wenn niemand im Klassenraum ist!) teil, durch das bislang weit über 150 000 Mark eingespart werden konnten. "Von den Ausmaßen her unser größtes Projekt", sagt Konrad Multmeier, Lehrer für Latein und Sport, stolz. Arbeitsintensiv und zuweilen ohne tragende Früchte sind andere - die meisten - Aktionen: das Schreiben von Bürgeranträgen, die Leitung des Beirats der Unteren Landschaftsbehörde, die Infostände auf den Märkten zu Themen wie Gen-Gemüse oder Bio-Bauern. Mult- meier: "Es gibt viele Missstände, auf die wir die Stadt aufmerksam machen müssten." So müsse bei der Planung des Nordparks mehr auf die Umwelt geachtet werden, mit Hilfe von Fotovoltaikanlagen (etwa auf dem Stadion- dach - so es denn kommt . . .) könne man 60 Prozent des Gladbacher Strom- bedarfs "auf grüne Weise" erzeugen, und die Kraftwärmekopplung müsse stärkere Beachtung finden. "Auch verkehrstechnisch hat Mönchengladbach einiges nachzuholen." Der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) liege im Argen, die Radwege seien in einem schlechten Zustand, und überdachte Fahrradständer gebe es zu wenig. Die Ideen-Liste des BUND ist schier unendlich, das Arbeitspensum der Ehrenamtlichen immens. Denn von den 240 offiziellen Mitgliedern der hiesigen Ortsgruppe (Ende der siebziger Jahre gegründet) kommen zu den Treffen im Haus Zoar (jeden zweiten Mitt- woch im Monat um 20 Uhr) nur zehn bis 20; Nachwuchs fehlt. Doch Profift ist davon überzeugt, dass Umwelt- schutz bald wieder ein Thema von Interesse sein wird: "Umwelt, Wirtschaft und Soziales sind nichts Gegensätzliches. Oft haben sie gemeinsame Ziele", meint die Dozentin für Wirtschaftsenglisch- und Französisch. In Zukunft müssten alle Bereiche stärker vernetzt arbeiten. Denn: "Umwelt und Natur ist nicht nur die Sache mit dem Feldhamster, das sind auch die Kopfschmerzen, die durch Smog entstehen." |
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